WORK HARD – PLAY HARD

In unserer modernen Dienstleistungsgesellschaft bedeutet die Optimierung eines Betriebs die Optimierung der Mitarbeiter. Carmen Losmann hat einen zu tiefst beunruhigenden Film über moderne Arbeitswelten gedreht. Das Streben nach Gewinnmaximierung und grenzenlosem Wachstum hat die Ressource Mensch entdeckt. Die Grenzen zwischen Arbeit und Lifestyle sollen verschwinden. Damit die Arbeit attraktiver wirkt und auch nach Dienstschluss weitergeht.

Bei Auswahl, Motivation und Training der Mitarbeiter von Morgen wird nichts dem Zufall überlassen. Selbstoptimierung steht auf dem Programm. Der Erfolg einer Firma hängt von der Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter ab. Der globalisierte Druck auf die Unternehmensleitungen fordert immer mehr Tugenden einer Unternehmensführung von den einzelnen Mitarbeitern. Der ideale Mitarbeiter hat seinen Job und das Unternehmensziel und -wohl im Sinn. „Work Hard – Play Hard“ heftet sich an die Fersen einer High-Tech-Arbeiterschaft, die hochmobil und leidenschaftlich ihre Arbeit zum Leben machen soll.

Einen Chef brauchen die modernen Mitarbeiter nicht mehr, den hat man ihnen schon längst ins Gehirn programmiert. Selbst moderne Büroarchitektur hat nur ein Ziel, den Mitarbeiter und seine Leistung zu optimieren. In unserer modernen Dienstleistungsgesellschaft bedeutet die Sanierung eines Betriebs die Sanierung der Mitarbeiter. Carmen Losmann betritt eine Welt in der eine eigene Sprache gesprochen wird. Wer dazugehören will, passt sich an, gibt sich zu erkennen. Von non-territorialen Office Spaces, multimobilen Knowledge-Workern, ist hier die Rede.

Der Dokumentarfilm unternimmt eine Reise durch die postindustriellen Werkstätten der Wissens- und Dienstleistungsarbeit, die lange als unsere Arbeitswelten von morgen galten und doch schon längst im Heute angekommen sind. Hier ist die Arbeit frei, es gibt weder Stempeluhren noch Anwesenheitspflicht – und die Ressource Mensch rückt in den Mittelpunkt. Der Film beobachtet eine neue Arbeiterschaft, die sich auch durch eine eigene Sprache zu definieren sucht und in Bewerbungstrainings finden will. Human Resource Management und moderne Büroarchitektur reichen sich die Hand.

Dabei ist eine zutiefst widersprüchliche Welt entstanden: Die papierfreien Büros sollen nicht mehr nach Arbeit aussehen, eher wie moderne Wohnzimmer oder schicke Cafés, gleichzeitig sollen die Mitarbeiter dank mobiler IT-Technik jederzeit und überall ihrer Arbeit nachgehen können. Die Suche nach idealen Mitarbeitern, die dem modernen Leistungsbild entsprechen, hat für die Firmen und Konzerne oberste Priorität bekommen. Die bestehenden Mitarbeiter werden motiviert, trainiert und aussortiert. Wer sich nicht dem „Mega-Wachstumsziel“ globalisierter Unternehmen verschreibt, wird durch eine Human Resource Management Firma (Rohstoff Mensch Optimierungsfirma) erbarmungslos zum Mitarbeiter zweiter Wahl gestempelt.

Gleichzeitig trainieren Human Resource Management Firmen die Manager von morgen bei ihren Bewerbungen und vermitteln so schon früh eine Art Rollenspiel zukünftiger Karrieristen. Der Druck einer globalisierten Welt, in der Wachstum und Erfolg die einzigen Regeln und das einzige Rezept für die Zukunft sind, hinterlässt seine Spuren bei einer Mitarbeiterschaft, die sich als Teil ihres Unternehmens fühlen soll und die Visionen zu 100 % teilen muss. Gewerkschaften, Arbeitsforscher, Arbeitsmediziner stehen vor einer rapide ansteigenden Burnout-Rate in unserer Dienstleistungsgesellschaft.Carmen Losmann hat einen – keine Sekunde plakativen – Film gemacht, an dessen Ende man genau weiß, warum das so ist.

Wie moderne Galeerensklaven lassen sich junge Manager vor einen Konzern spannen, der ihnen verspricht Teil von etwas ganz Großem zu sein und ihnen nahelegt, sich der Unternehmenskultur zu unterwerfen und die globalen Ziele 24 Stunden am Tag mitzutragen.

„Eine brillant gemachte Dokumentation, exzellent und aufregend.“

Screen Daily

„Angriff auf das Individuum … Es erfasst einen zugleich Kälte und Angst.“

Frankfurter Rundschau

„Zum Fürchten ist die schöne neue Arbeitswelt, die Carmen
Losmann in „Work Hard – Play Hard“ so kühl wie klug darlegt.“

Süddeutsche Zeitung

„Der mit den Preisen der Filmkritik und der Ökumenischen Jury bedachte Film verhalf dem Internationalen Wettbewerb zu Bedeutung.“

FAZ

Preise:

Grimme Preis 2014
FIPRESCI Preis DOK Leipzig 2011
Preis der ökumenischen Jury DOK Leipzig 2011
Healthy Workplaces Award DOK Leipzig 2011
Goldener Schlüssel Dokumentarfilmfestival Kassel 2011

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