5.-7.12.2014 im Künstlerhaus Mousonturm

Mehr als 2000 Gäste besuchten vom 5. bis zum 7. Dezember 2014 das Reflecta Filmfestival im Künstlerhaus Mousonturm. Das Motto „Wie wollen wir leben?" bezog sich nicht nur auf unsere Beziehung zur Umwelt, sondern umfasste auch die Bereiche Wirtschaft, Geld und Arbeit. Neben unterschiedlichen Filmbeiträgen konnten sich die Teilnehmer in Debatten, Workshops sowie in zahlreichen Gesprächen mit Gleichgesinnten neue Anregungen und Informationen zum Thema Nachhaltigkeit im Alltag holen.

Besonderes Interesse brachten die Besucher dem Film „Master oft the Universe“ von Marc Bauder entgegen. In der anschließenden Debatte widmeten sich Rainer Voss (ehemaliger Frankfurter Investmentbanker & Protagonist im o. g. Film), Georg Schürmann (Geschäftsführer der Triodos Bank) sowie der Moderator Jan Grossarth (FAZ Wirtschaftsredakteur) dem Thema „Wachstum, Krise und gesellschaftlicher Wandel“. Entgegen der Erwartungen herrschte ein breiter Konsens zwischen den Parteien. Alle drei stimmten darin überein, dass sowohl ein gesellschaftliches Umdenken als auch interdisziplinäre, politische Maßnahmen von Nöten sind, um sichtbare Veränderungen herbeizuführen.

Die Verleihung des Reflecta Artivist Awards stellte einen Höhepunkt der Veranstaltung dar. Dieser Preis steht für (Film)kunst, die bewegt und im Zuschauer den Wunsch nach Veränderung in Richtung einer umweltgerechten und sozialen Welt entzündet. Aus mehr als 200 Einreichungen wählte die Festivalleitung 10 Finalisten aus, die im Vorfeld der Jury, bestehend aus Matthias Pees (Intendant und Geschäftsführer Mousonturm), Peter Altmann (Geschäftsführer Ecofilm, Autor und Redakteur) sowie Catherine Colas (Arte Kurzschluss) und im Rahmen des Festivals dem Publikum präsentiert wurden.
Der erste Preis der Kategorie Dokumentarfilm ging an Stefan Wagner mit seinem Beitrag „Wheels of Change“. In der Kategorie Spielfilm belegte Brigitte Drodtloff mit „omul/mensch“ den ersten Platz. Der Publikumspreis ging an Pascal Flörks und seinem Animations-Kurzfilm „BÄR“.

Vom 8. bis 14. Dezember 2014 wurden einige der Filme des Festivals noch einmal von Frankfurter Partnerkinos gezeigt.

Programm

 

Freitag, 05.12.2014

17:30 Begrüßung, Empfang und inoffizielle Eröffnung im Lokal

18:00 Einlass

19:00 Offizielle Eröffnung und Ansprache im Saal

19:30 Video-Essay-Reihe: Die Gärtner und ihre Gärten (15min), D 2013 + Ljudmila Belkin stellt das Projekt vor

Das urbane Gärtnern entdeckt die Natur neu. Es erklärt das Gemüse zum Teilnehmer eines gemeinschaftlichen städtischen Projekts. Die neue Partnerschaft, eine öffentliche kreative Geste des Menschen und der Natur, holt die Erinnerungen an die altmodisch geglaubte Gärtnerei in die futuristischen Visionen der Stadt. Die Video-Essay-Reihe nahm diese Strategie auf: Sie beteiligte sich am Projekt in Frankfurt-Ginnheim, statt aus der Ferne zu berichten; sie porträtierte die Gärtner und ihre individuellen Pflanzen.

Ljudmila Belkin ist Kunsthistorikerin und Publizistin. Sie forscht zu Fragen kultureller Vielheit. Alexandra Vetter studierte Theater und Film in Frankfurt. Inzwischen arbeitet sie an Dokumentationen, Kurz- und Experimentalfilmen.

20:15 Film: Schluss mit schnell, Philippe Borrel, F, 2014, 85min, deutsch mit voice over

Wir sind in einem Zustand permanenten Zeitdrucks. Verantwortlich für diese Geschwindigkeit ist die unkontrollierte Entwicklung von Wissenschaft, Technik und Wirtschaft. Doch überall auf der Welt verweigern sich immer mehr Menschen dem allgegenwärtigen Stress. Der Film ist eine Ode an das selbstbestimmte Leben und zeigt Beispiele von Menschen, die weltweit beschlossen haben, sich auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen dem Diktat der Dringlichkeit zu widersetzen.

ca. 21:45: Vorstellung „Transition Town Ffm“

„Transition Town – Stadt im Wandel“ – ist eine Bewegung, die sich zum Ziel gesetzt hat, ein positives und nährendes gesellschaftliches Miteinander zu leben, das ohne Ausbeutung von Ressourcen funktioniert. Auch in Frankfurt haben sich einige zusammengeschlossen, um diesen Wandel zu fördern.

22:00 Film: Werner Herzog: Begegnungen am Ende der Welt, USA 2007, 101min OmU

Werner Herzog wird in die Antarktis eingeladen und begibt sich auf die Reise um Menschen zu treffen, die an diesem Ort leben und arbeiten, zu ihren Träumen und Welten. Allein die Unterwasseraufnahmen hätten dem Film genügt, aber er bietet so viel mehr.

Samstag, 06.12.2014:

14:00 Globalisierungskritischer Stadtrundgang. Treffpunkt: Bergerstraße, U-Bahn-Station Merianplatz, Ende: Mousonturm

Während des Stadtrundgangs durch Frankfurts Innenstadt erfahren Teilnehmer/innen am Beispiel ausgewählter Produkte von den weltweiten Zusammenhängen zwischen Konsum und seinen sozialen und ökologischen Folgen. Der Stadtrundgang wurde mehrfach als vorbildliches Bildungsprojekt für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet.

15:00 Einlass

16:00 Film: Marc Bauder: Master of the Universe D 2014, 88 min

Zum ersten Mal packt ein ehemals führender Investmentbanker Deutschlands aus. Rainer Voss, der früher locker mit Millionen hantierte, erzählt, wie es in der glitzernden Finanzwelt wirklich zugeht. Er redet öffentlich und schonungslos über das Bankenmetier. Voss kennt das System von innen, war lange selbst ein Teil davon. Bis auch ihn die Krise traf. Heute weiß er, dass er als Teil seiner Berufskaste entscheidend zum Entstehen von Krisen beigetragen hat. Jetzt will er Aufklärungsarbeit leisten.

 

18:00 Debatte: Wachstum, Krise und gesellschaftlicher Wandel

Rainer Voss, Georg Schürmann: Wie hängt die Finanzkrise mit unserem gesellschaftlichem System zusammen? Welche gesamtgesellschaftlichen Ursachen und Folgen hat sie, und welche Zukunftsmöglichkeiten gibt es?

Rainer Voss: Nach über 20 Jahren bei verschiedenen Investmentbanken schied Rainer Voss 2008 auf eigenen Wunsch aus der Finanzwirtschaft aus. Er sieht das Geldsystem als öffentliches Gut, das nur durch ein Bankensystem mit dienendem Charakter geschützt werden kann.

Georg Schürmann: Georg Schürmann ist seit 2009 Geschäftsleiter der Triodos Bank N. V. Deutschland. Zuvor war er 20 Jahre lang bei der Deutschen Bank im Bereich Privatund Geschäftskundenbetreuung tätig, zuletzt als Mitglied der Geschäftsleitung Private Banking Deutschland.

20:00 Reflecta Award mit Preisverleihung und Publikumsabstimmung

Nach der Premiere 2011 im Museo Reina Sofia Madrid, verleiht Reflecta erneut den mit einem Preisgeld von 500 Euro dotierten Reflecta Artivist Award für Kurzfilme jeglichen Genres. Der Preis zeichnet (Film-)kunst aus, die bewegt und Veränderung anstößt, und möchte damit das Engagement von Künstlern für eine umweltgerechtere und sozialere Welt fördern. Nicht Kunst und Filme können die Welt verändern, sondern wir – die Menschen. Aber (Film-)kunst kann Bewegungen dokumentieren und Menschen dazu anregen, sich und die Welt um sich herum zu bewegen. Eine interne Jury wird aus allen eingereichten Filmen eine Vorauswahl von 10 Kurzfilmen treffen und der Jury präsentieren. Beim Festival werden die 10 Finalisten gezeigt, der Gewinner bekannt gegeben und der Publikumsliebling gekürt.

Finalisten und Jury

22:30 Konzert: Bender & Schillinger

Bender & Schillinger stehen für Singer / Songwritermusik der besonderen Sorte. Ihr musikalischer Variantenreichtum reicht von melancholisch-puristischen Gitarrenballaden über atmosphärische Klänge eines Marimbaphons bis hin zu (Folk-)Rockparts mit vollem Drumset. Diese Band klingt nach mehr als zwei Personen und nach mehr als einer Schublade.
www.benderundschillinger.de

Sonntag, 07.12.2014:

14:00 SLOW FOOD –  Lebensmittel mit Genuss erleben – am Tisch
Ab 14:00 Konzert: La route du bonheur

Die Band „La route du bonheur“ entführt uns in ferne Welten: Mainabwärts, rheinaufwärts, vom Mississippi zum Rio Grande, befahren sie die Flüsse dieser Welt. Sie träumen am Nil und waschen sich am Ganges, feiern am Amazonas und lieben an der Seine. Der Rhythmus ist ihr festes Boot, die Melodie der Wind, so wandern sie auf rastloser Strömung.
15:00 Film: Carmen Losmann: Work hard play hard, D 2011, 90 min

Carmen Losmann zeigt in ihrem Film die Optimierung unserer Arbeitswelt und stellt ihre wichtigste Ressource in den Mittelpunkt: den Menschen. Der Film gewann neben anderen Preisen den Grimme-Preis 2014.


15:30 – 16.30: Repair Cafè

Repair-Café am Tisch zeigt dir, wie unsere alltäglichen Gebrauchsgegenstände funktionieren.

17:00 Debatte: Arbeit, Leistung, Zeit und Lebensqualität

Wie wollen wir arbeiten, leben, denken und was hat das mit dem Verhältnis zu unserer Umwelt zu tun?

Verena Kuni ist Kunst-, Medien- und Kulturwissenschaftlerin. Ihre Hauptthemen sind DIY, Urbane Biotope, Reale Utopien und Andere Zeiten. 

Raphael Fellmer lebt seit 2010 im Geldstreik, um mehr Bewusstsein für die Verantwortung zu schaffen, die wir alle für Hunger, Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung tragen. 

Daniel Göcht, Philosoph und Literaturwissenschaftler, leitet im Rahmen der Initiative „Meine Zeit ist mein Leben“, die am Buch zu „Work hard Play hard“ mitwirkte, Seminare zu den neuen Formen der Arbeitsorganisation. Arbeit, Leistung, Zeit und Lebensqualität.

18:30 Kurzfilm: Alexander Conrads: Once there was a cigarbox

Dem in Memphis, Tennessee lebenden Blues-Musiker Matt Isbell ist etwas gelungen, wovon viele nur träumen: Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht und verwandelt alte Zigarren-Boxen in wunderschöne, einzigartige Musikinstrumente.

ALEXANDER CONRADS, DEUTSCHLAND, 2014, 9:58 MIN, DOKUMENTARFILM, OMU, ENGLISCH

Alexander Conrads studiert Filmwissenschaft und Audiovisuelles Publizieren. Er dreht seit seinem 13. Lebensjahr sowohl fiktionale, als auch dokumentarische Kurzfilme, die inzwischen auf diversen internationalen Filmfestivals vorgeführt wurden. Zentrales Thema in seinen Filmen: Die Suche nach sich selbst.

Wo ist nur die Zeit geblieben, die wir mühsam mit all den neuen Technologien und Effizienzmodellen eingespart haben? Opitz begegnet Menschen, die die Beschleunigung vorantreiben und solche, die sich trauen, Alternativen zur allgegenwärtigen Rastlosigkeit zu leben.

20:15 Verabschiedung

21:00 Konzert im Lokal: Singer-Songwriter Aaden

Die Musik zeichnet verträumte Bilder, manches Mal voller Freude und Euphorie, manches Mal voller Melancholie und Ruhe. Der Inhalt der englischsprachigen Texte reicht von sozial- bis gesellschaftskritisch, vom Alltäglichen bis zur Besonderheit, doch ist er immer persönlicher Natur.

 


 

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Adresse:
Künstlerhaus Mousonturm
Frankfurt am Main GmbH
Waldschmidtstraße 4
60316 Frankfurt am Main
T +49.69.40 58 95–0
info@mousonturm.de

 


 

 

Partnerkinos des Reflecta Filmfestivals in Frankfurt – Veranstaltungen vom 08. bis 14.12.2014

08.12.2014

17.15 Uhr: 
Ljudmila Belkin, Alexandra Vetter:
Die Gärtner und ihre Gärten
Video-Essay-Reihe (15 Min)

Valentin Thurn:
Die Essensretter
Dtschl. 2011 (44 Min.)

19.15 Uhr:

Carmen Losmann:
Work hard play hard
Dtschl. 2011 (90 Min.)

21.15 Uhr:
Florian Opitz:
Speed – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Dtschl. 2012 (97 Min.)

09.12.2014

17.15 Uhr:

Marc Bauder:
Master of the Universe
Dtschl. 2013 (88 Min.)

19.15 Uhr:

Werner Herzog:
Begegnungen am Ende der Welt
USA 2009 (99 Min.)

21.15 Uhr:

Reflecta Kurzfilm Award

Weitere Informationen 

Adresse:
Hamburger Allee 45
60486 Frankfurt
Telefon: 069 – 707 69 100
www.orfeos.de
Anfahrt

 


 

10.12.2014

18.00 Uhr:

Reflecta Kurzfilm Award
Weitere Informationen

20.00 Uhr:

Nils Aguilar
Voices of Transition
Dtschl. / Frankr. 2012

anschließend:
Vorstellung „Transition Town Frankfurt“
(M. Emde und K. Kotzian)

Adresse:

Bolongarostraße 105
65929 Frankfurt-Höchst
Telefon: 069 – 308 69 27
info@filmtheater-valentin.de

 

Anfahrt

 


 

11.12.2014
20.00 Uhr:

Florian Opitz:
Speed – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Dtschl. 2012 (97 Min.)

 + Reflecta Kurzfilm Award

Adresse:

Johann Wolfgang Goethe-Universität
Mertonstr. 26–28
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 – 79 82 89 76
Anfahrt

 


 

12.12.2014

18.30 Uhr:

Florian Opitz:
Speed – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Dtschl. 2012 (97 Min.)

13.12.2014

18.30 Uhr:

Werner Herzog:
Begegnungen am Ende der Welt
USA 2009 (99 Min.)

14.12.2014

18.30 Uhr:

Carmen Losmann:
Work hard play hard
Dtschl. 2011 (90 Min.)
Adresse:

Emmerich-Josef-Straße 46 a
65929 Frankfurt-Höchst
Telefon: 069 – 212 4 5664
www.filmforum-höchst.com

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