ecofilm

ecofilm ist eine nachhaltige Filmproduktion, die mit viel Herz, Kreativität und Kooperation die Welt erneuern will.

Interview mit Peter Altmann (ecofilm)

Lieber Peter, berichte uns doch kurz, was es mit ecofilm auf sich hat.

ecofilm ist eine Idee von drei Filmemachern, die Nachhaltigkeit und soziale Themen am liebsten auf der großen Leinwand sehen wollten. Wir dachten, wir müssten die Energiewende unterstützen und die vielen Solarfirmen im ersten 2000er Jahrzehnt werbetechnisch unterstützen. Der Businesscase ging nicht auf: Die Solarfirmen gingen reihenweise pleite. Aber dafür hatten wir das Glück, mit tollen NGOs zusammenzuarbeiten und ein paar Social Clips auch in die Kinos und sogar ins Stadion zu bringen. Mit Humor, manchmal auch mit Wut – aber immer intelligent – wichtige soziale Themen unter das Volk zu bringen: Das ist ecofilm. Inzwischen schauen wir auf eine Reihe erfolgreicher Filmproduktionen zurück und stellen uns aktuell neu auf: Wir wollen ganze Kampagnen entwerfen und unter neuem Dach größere Projekte stemmen.

Wie entstand die Idee?

Drei Leute, die über mehrere Ecken miteinander verbunden waren, hatten ein gemeinsames Ansinnen: Öko auf Film. Und irgendwie kamen wir zusammen. Filme machen und dabei Themen, die uns wichtig sind, angehen – das verbindet uns und das inzwischen große Netzwerk, das ecofilm für uns darstellt. Deshalb sind wir auch sehr gerne Teil der Reflecta Festival Reihe. Die Gemeinschaft ist unsere größte Kraft gegen die bisher Mächtigen dieser Welt.

Wie kamst Du persönlich dazu?

2009 saß ich mit einem guten Schauspielerfreund, Permakulturisten und Aktivisten in Treptow an der Spree und wir haben uns TV Formate und Filmideen über die vielen spannenden und tollen Ansätze, die Welt zu verbessern, ausgedacht. Zwei Tage später ruft Lorenz, einer der späteren ecofilm Gründer an, und berichtet von seiner Idee, eine Filmproduktion für Ökothemen zu gründen. Schon mit im Boot: Peter Wedel. Filmemacher, gefragter Regieassistent, Schauspieltalent. Es war einfach die richtige Zeit für diese Idee. Und Peter Wedel hatte gleich auch das erste Filmprojekt: “Die Rechnung” für die NGO germanwatch. Und los ging es…

Was kannst Du zu den Herausforderungen berichten? Welche gab/gibt es und wie geht ihr damit um?

Eine Filmproduktion nur für grüne Themen – ohne Aufträge mit Greenwashing Gefahr anzunehmen – das stellte sich als schwierig heraus. Die alternativen Ökonomien verfügen nur über wenig Marktanteil und also auch kleine Budgets für Werbung. Auch der große Bioprodukte-Markt ist ja nicht wirklich groß, wenn man die Qualitätsansprüche ernst nimmt. Und auch unsere bisherigen Auftraggeber, also NGOs, müssen sehr eng haushalten. Das bedeutet kleine Produktionen, befreundete Kollegen, die uns mit dem Verzicht auf Gagen unterstützen und schlicht die Erkenntnis: von ecofilm können wir nicht leben. Wir drei haben also immer auch in unseren Berufen weitergearbeitet, Peter Wedel als Regieassistent, ich als Journalist. Lorenz hat sich inzwischen neue Ziele und Projekte gesucht. Doch der Nachteil ist auch ein großer Vorteil: Mit ecofilm sind wir immer noch frei, inhaltlich und wirtschaftlich. Wir müssen nicht. Deshalb macht das Können doppelt Spaß.

Was glaubst Du, können Filme bewirken?

Bevor ich die große Keule schwinge, was Kunst bewirken kann bleibe ich lieber bodenständig und sage: Alles. Wir sprechen aus, was andere verschweigen. Wir sagen es manchmal lauter als gewohnt. Damit auch die Schwerhörigen aufwachen. Und wir erreichen Menschen, die das Wort Nachhaltigkeit nicht buchstabieren könnten. Allerdings noch zu wenig.

Als Mensch, der sowohl in der Kultur-­ als auch in der Nachhaltigkeitsszene aktiv ist: Wie siehst Du die Tendenzen? Was verbindet beide?

Naja, das meine ich. Es gibt eine gewachsene Öffentlichkeit der Aufgeklärten, der nachhaltig Denkenden, der Kulturinteressierten. Für die bin ich dankbar. Auch als Publikum. Doch wir sind noch nicht genug, zu wenig Massenbewegung. Avantgarde reicht nicht. Wahrscheinlich hilft uns die Verschlechterung der Weltlage: Je mehr Menschen unter den ökonomischen, religiösen und politischen Diktaturen leiden, umso mehr sind sie offen für Veränderungen. Wir sollten bereit sein, für sie sichtbar sein. Und einen Plan haben.

Was würdest Du Menschen empfehlen, die ihr eigenes Projekt starten möchten?

Das muss ich mir selbst auch immer wieder sagen: Mach es! Grübeln, Abwägen, Herumdrucksen bringt nichts. Wenn du keinen Kreis malen kannst, dann lernst du das am besten, in dem du auf einem Stück Papier immer weitermalst, bis aus dem Ei ein Kreis geworden ist. Nicht absetzen – weitermalen. Partner helfen, können aber auch bremsen. Vor allem auf lange Zeit ist es deine Kraft und Überzeugung, die entscheiden.

Wie seht ihr die aktuelle gesellschaftliche Situation? Was läuft schief? Was gibt Hoffnung?

Vermutlich denke ich da wie der Durchschnitt: Wenn ich Richtung Nordafrika, Türkei, USA, Nordkorea oder Russland schaue, wird mir angst und bange. Und am liebsten würde ich die Nachrichten abstellen. Und dann Polen, Ungarn, Ukraine, Ostafrika, Syrien, Kongo, Nigeria, Sudan, Myanmar, Indien, Mexiko, Brasilien. Es gibt eine Weltkarte der aktuellen Konflikte des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung kein schönes Bild unseres Planeten. Und dann haben wir im eigenen Land einen Anstieg rechter Gewalt und merkwürdige bis gefährliche Gestalten wie Höcke & Co in unseren Parlamenten. Von der anhaltenden Überfischung, dem Plastikmeer, der Demontage des Klimagipfels, unseren Umgang mit Tieren, natürlichen Ressourcen und der Würde des Menschen habe ich da noch gar nicht gesprochen. Aber Sand in Kopf kann ich mir schon deshalb nicht leisten, weil ich zwei Kinder in diese Welt gesetzt habe. Also bleibt nichts, als dagegen halten. Mit dem was wir haben und können. Je mehr mitmachen, umso größer meine Hoffnung…

www: eco-film.de