Identitäten II: Kulturelle Identitäten

Kulturelle Identität – Der Versuch einer Definition: Um sich einer Definition von „kultureller Identität“ zu nähern, gilt es zunächst den Begriff „Identität“ genauer zu hinterfragen.

Identität

Eine Identität setzt Einheit, Übereinstimmung und Beständigkeit voraus, was jedoch, nie einfach gegeben, sondern von Menschen angestrebte Ideale sind. In der Art und Weise, wie man diese Ziele verfolgt, in Frage stellt, wieder aus den Augen verliert und irgendwann wieder neu aufgreift, formt man die eigene Identität.

Durkheim beschreibt die Identität nicht ohne Grund als zweigeteilt: Als die eigene, persönliche Art und Weise: die Charakterzüge, Erbgut und persönliche Erfahrungen umfasst und das gesellschaftliche Sein, welches den Werten und Normen der Zugehörigkeitsgruppen entspricht. In der Regel besteht zwischen der individuellen und der kollektiven Identität eine Wechselwirkung, da die Zugehörigkeit zu einer Gruppe und deren Identitätsmerkmale auf das eigene Individuum zurückwirkt. Zugleich entwickelt sich aus den individuellen Identitäten die kollektive Identität.

Um sich der eigenen Identität bewusst zu werden, erfordert es nach De Singly eines entgegengesetzten Anderen, das einem das eigene Ich vor Augen führt. Identität konstruiert sich demnach nicht nur durch Selbstbezug sondern baut sich auch auf der Konfrontation mit dem Andern auf.

Kulturelle Identität

Kulturelle Identitäten sind immer verschiedenartig und niemals ganz einheitlich. Sie umfassen bestimmte Vorstellungen, davon wie man als Teil einer bestimmten Kultur zu sein hat. Solche Vorstellungen können untereinander in Konflikt geraten. Und erstaunlicherweise tritt oft erst in solchen Konflikten das hervor, was man als Identität (oder auch Zugehörigkeitsgefühl) beschreiben könnte.

Kulturelle Identität umfasst Gemeinsamkeiten, wie Klima und Geographie, Sprache oder Religion. Sie kann nicht losgelöst vom Raum existieren, sondern ist verbunden mit einer Ordnung und sozialen Gruppen, aus denen sie besteht. Das kann eine Identifikation mit einem Territorium sein oder die Zugehörigkeit zu einer legal konstituierten Form, z.B. die eines Staates.

Kultur ist jedoch nicht etwas starres, sondern ständig im Wandel. Angesichts der Globalisierung und der damit verbundenen Migration lässt sich in Frage stellen, ob es in Zukunft noch eindeutig voneinander abgrenzbare kulturelle Identitäten geben kann oder ob nicht vielmehr Hybride, also sich überschneidende und vielschichtige Identitäten vorherrschen werden. Zumindest in Teilbereichen wird es nach allgemeiner Überzeugung weiterhin unterscheidbare kulturelle Identitäten geben.

In dieser Themenreihe stellen wir vor allem die modernen Mischformen von Identitäten und Identitätsfindung vor, da es unserer Meinung nach ein enorm interessantes und immer sichtbarer werdendes Phänomen ist. Hier erfährt man zum Beispiel, was die sogenannte „Third Culture Kid“ Identität (oder auch „Drittkultur-Kinder-Identität) ist – und das anhand von spannenden Dokumentationen und Berichten.

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