Interview mit den Gründern von Future Flux und MySocialCity

Sascha Eschmann, Michael Weber und Svenja Bickert-Appleby gründeten Future Flux und MySocialCity in Wiesbaden. Future Flux entwickelt Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle, die einen positiven Beitrag zu einer nachhaltigen Gesellschaft leisten. MySocialCity entwickelt bedürfnisorientierte Ideen und Konzepte zur Verbesserung der Interaktion zwischen Verwaltung und Bürgern in Städten.

Im Gespräch mit…
Sascha Eschmann, Michael Weber und Svenja Bickert-Appleby

Stellt uns doch kurz Eure derzeitigen Aktivitäten in Wiesbaden vor.

SE und SBA: Wir (Svenja Bickert-Appleby und Sascha Eschmann) haben gemeinsam 2013 MySocialCity gegründet. Wir wollten ein Stadtlabor schaffen, das Schnittstellen zwischen der Verwaltung und den Bürgern schafft und sich damit beschäftigt, wie eine bedürfnisorientierte Stadt der Zukunft aussehen könnte.

MW (Michael Weber): 2014 kam unsere gemeinsame Gründung von Future Flux dazu. Wir verstehen uns als Innovationslabor mit einer klaren Ausrichtung auf ökologische, soziale und ethische Werte. Wir machen nur Projekte, die diesen Werten entsprechen und echte Verbesserungen schaffen.

Wie kam es dazu? Was war die Motivation?

SE: Mit MySocialCity haben wir uns mit der Situation in Wiesbaden beschäftigt und erforscht, ob sich die Menschen mit Ihren Bedürfnissen gehört fühlen, und wie sie sich gerne einbringen würden. Auf der einen Seite sind die Leute sehr engagiert, andererseits fehlt ihnen der Glaube daran, sich einbringen, bzw. etwas ändern zu können. Wir wollen gemeinsam mit den Bürgern und der Stadt Partizipation neu definieren.

SBA: Mit Future Flux nehmen wir die globale Perspektive ein und beschäftigen uns mit Themen wie nachhaltige Produktkreisläufe, soziale Innovationen, neue Formen des Lernens und alternative Mobilitätsansätze. Wir wollen Veränderungen aktiv vorantreiben und den Diskurs maßgeblich mitgestalten.

Was waren die Startschwierigkeiten und wie seid ihr damit umgegangen?

SE: Es gab eigentlich wenige Schwierigkeiten. Die Bürger wollen sich einbringen und auch Teile der Verwaltung sehen die Notwendigkeit zur Transformation. Dass Städte in Zukunft anders aussehen und funktionieren, ist kein Geheimnis mehr.

MW: Auch auf der internationalen Ebene haben wir mit Future Flux das Gefühl, dass unser Angebot auf einen schon vorhandenen Bedarf trifft.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für euch?

SE: Ich verbinde Nachhaltigkeit sehr stark mit Bewusstsein und Verantwortungsgefühl. Wir müssen unser Leben wieder bewusst gestalten und Verantwortung für unser Tun übernehmen. Dann kann man auch dazu stehen und in den Dialog mit anderen gehen, etwas verändern.

MW: Insbesondere als Vater bedeutet Nachhaltigkeit für mich, meine Tochter in eine lebenswerte Zukunft entlassen zu können, in der sich langfristiges Denken gegenüber kurzfristiger Profitorientierung durchsetzt.

Was ist euer Lieblingsort in Wiesbaden? Habt ihr einen Geheimtipp?

SE: Meine Lieblingsplätze in Wiesbaden sind die, die augenscheinlich nicht so typisch Wiesbaden sind. Zum Beispiel im Sommer draußen beim Winzerstübchen in der Herderstraße sitzen, wo der Gast seinen Tisch und seinen Stuhl selbst aus der Garage holen muss.

SBA: Mein Lieblingsort in Wiesbaden, abgesehen von meinem eigenen Balkon, ist das ‚Sherry & Port‘. Hier findet Leben draußen auf der Straße statt, Menschen sitzen um den Brunnen auf Kissen oder in der Sonne an Tischen und kommen ins Gespräch, das finde ich sehr schön und hat fast ein mediterranes Flair.

MW: Der Strand an der Reduit in Mainz-Kastel ist großartig. Dort im Liegestuhl, den Sonnenuntergang mit netten Freunden und einem leckeren Drink zu genießen, ist immer ein kleines Stückchen Urlaub.

Wie seht ihr die aktuelle gesellschaftliche Situation? Was läuft schief, was gibt Hoffnung?

SE: Aus meiner Sicht befinden wir uns auf einem Irrweg. Unsere Grundidee von Gesellschaft ist nicht mehr richtig justiert – Profit, Konsum und formale Leistung dominieren viele Dinge in unserem Leben. Wir müssen mehr auf uns selbst hören, zu unseren Werten stehen und uns als globale Gesellschaft verstehen, die nur gemeinsam die Probleme der Zukunft lösen kann.

SBA: Es gibt große Veränderungen zur Zeit und es gibt unterschiedliche Möglichkeiten damit umzugehen. Ich glaube, dass man die Veränderungen mit positivem Denken, Pro-Aktivismus und großem Vertrauen in andere Menschen angehen sollte. Ich hoffe, dass viele Menschen den Mut finden auf sich selbst zu hören und Wege suchen ihr Leben nach ihren Vorstellungen zu leben, abseits von gesellschaftlichen Erwartungen und Konsumzwängen. Ich setze viel auf die Studenten und Schulabgänger für die bereits klar ist, dass sie anders leben und arbeiten wollen.

MW: Mich stimmt es hoffnungsfroh, dass immer mehr Menschen erkennen, dass sich etwas ändern muss. Wir treffen auf allen Ebenen, sei es in Unternehmen, in der Verwaltung, in Start-ups oder ehrenamtlichen Initiativen, auf Menschen, die sich aktiv für eine bessere Zukunft einsetzen wollen. Diese zusammenzubringen und Ansatzpunkte für konkretes Handeln aufzuzeigen, sehen wir als unsere Aufgabe.

Und in Bezug auf Wiesbaden?

SE: Wiesbaden ist eine besondere Stadt in jeder Hinsicht. Besonders schön und elegant, aber auch besonders träge und konservativ. Das Neue und Innovative muss hier besonders stark kämpfen, um akzeptiert zu werden.

SBA: Ich als Neu-Wiesbadenerin kann nur sagen, dass Wiesbaden immer wieder überraschend ist. Ich mag die Größe der Stadt. Schnell findet man heraus, wer hier aktiv ist und etwas verändern bzw. weiter voran treiben will. Als Jemand, der in der Nähe von Köln aufgewachsen ist, könnte es für mich hier manchmal etwas bunter hergehen.

MW: Wiesbaden ist entgegen des allgemeinen Bildes eine sehr junge und multinationale Stadt und befindet sich im stetigen Spannungsfeld zwischen Hoch- und Alternativkultur, zwischen Kreativität und Schickimicki. Für uns genau der Ort, an dem wir sein wollen, um Zukunft sinnvoll zu gestalten.