Interview mit Joerg Weber

Joerg Weber ist Vorstand der Bürger AG für nachhaltiges Wirtschaften FrankfurtRheinMain

Im Gespräch mit… Joerg Weber

Stell uns doch kurz Dein Projekt vor. Was ist die Bürger AG Frankfurt?

Die genaue Bezeichnung ist „Bürger AG für nachhaltiges Wirtschaften FrankfurtRheinMain“.  Wir laden Bürger/-innen zur Beteiligung an der Finanzierung nachhaltiger Landwirtschaft und Projekten in der Region ein. Wir verkaufen Namensaktien, d.h. wir wissen wer bei uns beteiligt ist und investieren in die regionale Bio-Land- und Ernährungswirtschaft. Wir möchten helfen, landwirtschaftliche Flächen und Höfe für unsere Ernährung sowie die Zukunft zu sichern. Die Mischung aus Finanzierungsmodell und Netzwerk, ist bisher einzigartig in Deutschland, und die Nachfrage ist relativ groß. Das Engagement für ein ökologisch sinnvolles, faires und soziales unternehmerisches Handeln dient auch der Weiterentwicklung unserer Region.

Wie kamst Du auf die Idee? Was hat Dich dazu?

Ich bin eigentlich Banker/Betriebswirt und habe in den 80iger Jahren die Ökobank eG mitgegründet und aufgebaut. In einem Gespräch mit Vertretern des Bio Großhändlers Phönix überlegten wir, wie man die regionale Bio-Landwirtschaft besser unterstützen könnte. Die Idee der Bürger AG war geboren Ich schrieb ein Konzept und überzeugte die ersten Aktionär/-innen. So kam es, dass ich seitdem die Bürger AG aufbaue, was ich aber nicht ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer/-innen schaffen würde.

Was waren die Startschwierigkeiten und wie bist Du damit umgegangen?

Eine der größten Startschwierigkeiten war die Erstellung eines BaFin (Finanzaufsicht) Prospektes. Dann kam hinzu, dass wir nicht das Geld hatten, um große Marketingmaßnahmen durchzuführen. Dennoch, einige Tagezeitungen und Journale haben uns wirklich unterstützt und so haben die Menschen von der Bürger AG erfahren.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Dich?

Ich muss auf diesem Planeten mindestens so viel hinterlassen, wie ich vorfinde, d.h. wir müssen lernen, die Erde nicht immer weiter auszubeuten. Deshalb müssen wir die Art und Weise wie wir handeln schnellstens ändern. Die heute in der konventionellen Landwirtschaft genutzte Praxis vergisst, dass unsere Ressourcen endlich sind

Was ist Dein Lieblingsort in Frankfurt? Hast Du einen Geheimtipp?

Ich mag Frankfurt und es gibt viele Geheimtipps. Z. B. das KünstleratelierFrankfurt e.V., den Schwedler See, die Parks oder die ursprünglichen Äppler-Kneipen abseits der Touristenströme.

Wie siehst Du die aktuelle gesellschaftliche Situation? Was läuft schief, was gibt Hoffnung?

Ich bin der Meinung, dass „die zwischenmenschliche Wärme“ fehlt. Viele Menschen agieren selbstbezogen und meinen, Lebensqualität ließe sich mit Geld erkaufen. Von der Politik erwarte ich, dass sie sich vehementer den Lobbyinteressen der Industrie entgegensetzt. Positiv sehe ich, dass es mittlerweile sehr viele junge Menschen gibt, die sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen.

Und im speziellen Bezug auf Frankfurt?

In Frankfurt sehe ich große Probleme bei der Mietentwicklung, die zu einer Verdrängung v. a. von weniger gut verdienenden und alten Menschen führt. Dadurch verlieren wir Vielfalt. Zudem sollte von Frankfurt eine nachhaltige Initiative ausgehen, um mehr innerstädtischen Wohnraum im Umkreis bis zu 30 km zu schaffen.