Interview mit Kreis zu Quadrat, Re-Cover, Fraktali

Drei besondere Projekte und Frauen aus Frankfurt stellen sich vor. So kann kreatives, nachhaltiges Wirtschaften aussehen.

Im Gespräch mit… Kreis zu Quadrat, Re-Cover, Fraktali

Stellt uns doch kurz Eure Projekte vor. Was ist Kreis zu Quadrat, Re-Cover, Fraktali?

KREIS ZU QUADRAT: ist der Ort in Frankfurt am Main mit dem Schwerpunkt auf Recycling-, Upcycling- und Eco-Design. Seit 2013 sind wir mit unserem Laden im Herzen von Bornheim zu finden und präsentieren auf knapp 100 m² Upcyclingprodukte aus aller Welt und der eigenen Produktion.
Das können Damenkleider sein, die einmal Herrenhosen waren, eine Sitzbank, die eine Vergangenheit als Leitplanke hatte oder Taschen und Portemonaies aus pensionierten Feuerwehrschläuchen. Am besten entdeckt man die ganze Vielfalt bei einem Besuch in unserem Laden.

Fraktali: Einstmals mit viel Energieaufwand produzierte Produkte werden von mir verändert und mit einer neuen Funktion versehen. Dadurch erhalten sie ein „zweites Leben“ und werden wieder aufgewertet.

re-cover: Ich recycle alte Lieblings-T-Shirts und fertige daraus Cover für Notizbücher, Handies, Brillen, EC-Karten und Kopfhörer, beziehe Lampen, Stühle, Kissen, Knöpfe und nähe Schals und Decken daraus und biete meinen Kunden Alternativen zur Entsorgung von Lieblings-Stücken.

Wie kamt ihr jeweils auf die Idee?

KREIS ZU QUADRAT: Ich beschäftige mich bereits sehr lange mit dem Thema Upcycling und den Traum etwas in der Richtung zu machen, hegte ich seit Jahren. Es wird heutzutage so viel weg geworfen und verschwendet, das ein „Weiterleben“ in anderer Form mehr als verdient hätte. Es macht mir Spaß meine eigene Kreativität ausleben zu können und aus anderer Leute „Müll“ neue Produkte zu entwerfen und herzustellen. Doch der eigene Spaß steht nicht unbedingt im Vordergrund, ich möchte mit meinen eigenen wie auch mit den Produkten der anderen Designer und Hersteller in meinem Laden, den Kunden zeigen, dass Materialien nicht immer neu produziert sein müssen. Nehmen wir beispielsweise die Mode von Globe Hope aus Finnland. Dort werden Kleidungsstücke aus alten oder übrig gebliebenen Werkstoffen gefertigt, so dass bei der Produktion um ein vielfaches weniger an Strom und Wasser benötigt wird, als in der herkömmlichen Bekleidungsindustrie.

Fraktali: Während meines Kunststudiums in Melbourne fing ich an alte Gegenstände zu Kunstobjekten um zu formieren. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland ließ mich diese Idee nicht mehr los. Ich fing an mit verschiedenen Materialien zu arbeiten und gestalte jetzt Raum- und Lichtobjekte.

re-cover: Jeder kennt das. Auf der Suche nach einem bestimmten Kleidungsstück findet man das alte,
längst vergessene Lieblings-T-Shirt wieder. Dessen beste Zeit ist längst vorbei und man hat es
seit Jahren nicht mehr getragen. Aber sich endgültig davon zu trennen, geht gar nicht, denn dafür
stecken zu viele Erinnerungen darin. Was also tun damit?

Was waren die Startschwierigkeiten und wie seid ihr damit umgegangen?

Kreis zu Quadrat:  Die größte Hürde zu Beginn, war ich selber. Bis ich den Mut aufbringen konnte, meinen sicheren Job an den Nagel zu hängen, hat eine ganze Weile gedauert. Als der Entschluss fest stand und ich ins kalte Wasser springen wollte, war es gar nicht so einfach in Frankfurt einen passenden und bezahlbaren Laden zu finden. Letztendlich hat alles geklappt und ich würde es genauso wieder machen.

Fraktali: Als ich mich vor vier Jahren im Bereich Upcycling selbstständig machte, war das Thema noch nicht soweit verbreitet in Frankfurt. Neben meiner kreativen Arbeit hatte ich viel mit Aufklärung des Sinnes dieser Arbeit zu tun. Wichtig war und ist für mich an meine Arbeit zu glauben und das die Sensibilisierung für dieses Thema Zeit braucht.

re-cover: Die Startschwierigkeiten hören nicht auf :). Es vergeht kein Tag, der nach Plan verläuft.
Das Gute daran ist, man wird zum Improvisationstalent.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Euch?

Kreis zu Quadrat: Nachhaltigkeit heißt für mich, ein rücksichtsvoller Umgang mit meinem Umfeld. Der Begriff ist für mich sehr vielschichtig und umfasst nicht nur Produktionsprozesse sondern vor allem auch das Miteinander in unserer Gesellschaft. Häufig denkt jeder nur noch an sich und seine Vorteile, dabei kann gemeinsam so viel mehr erreicht werden. Vielleicht bin ich eine unverbesserliche Optimistin, doch ich glaube, wenn jeder bei sich im Kleinen anfängt, kann großes bewirkt werden.
Ob dass der Verzicht auf Plastiktüten ist oder die Entscheidung für Kleidung aus ökologischer und fairer Herstellung um nur mal zwei kleine Beispiele zu nennen.

Fraktali: Upcycling ist ein Teil von Nachhaltigkeit. Durch die Wiederverwertung von bereits vorhandenem Material werden die Neuproduktion von Rohmaterialien reduziert, die Ressourcen geschont und der Energieverbrauch, die Luft- und Wasserverschmutzung sowie Treibhausgasemissionen verringert. Durch meine Arbeit kann ich einen kleinen Teil zum Schutz der Ressourcen beisteuern.

re-cover: Heute etwas zu tun, zu dem ich auch morgen noch stehe. Und in 10 Jahren.

Was ist euer Lieblingsort in Frankfurt? Habt ihr einen Geheimtipp?

Kreis Zu Quadrat: Ein Geheimtipp ist es vielleicht nicht unbedingt, doch ich bin sehr gerne im Frankfurter Garten am Danziger Platz. Ich wäre gern öfter dort, doch leider fehlt dazu meistens die Zeit. Ansonsten mag ich die ganzen Parks in Frankfurt sehr und natürlich das Mainufer…vor allem bei schönem Wetter.

Fraktali: Der chinesische Garten im Bethmannpark.

re-cover: Der Hinterhof des Café Crumble in Bockenheim – eine Oase zum Kaffeehaus-Hocken, Menschen beobachten, lesen und Ideen in einem Notizbuch festhalten.

Wie seht ihr die aktuelle gesellschaftliche Situation? Was läuft schief, was gibt Hoffnung?

KREIS ZU QUADRAT: Zu dieser Frage könnte ich Romane schreiben. Kurz und knapp zu antworten fällt mir bei diesem Thema schwer.

Fraktali: Wir leben in einer Konsumgesellschaft. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf dem Profit und nicht mehr auf der Qualität. Es werden Produkte erschaffen, welche keine lange Lebensdauer mehr haben dürfen. Früher hielten die Produkte länger als die Garantiezeit. Heute werden z.B. einige Produktgruppen so programmiert, dass sie kurz nach der Garantiezeit aufhören zu arbeiten. Eine Wegwerfgesellschaft entsteht. Es gibt aber auch hier Hoffnung. Ich kann beobachten, dass sich immer mehr Menschen bewusster für Qualitätsprodukte entscheiden. Dabei auch über die Herkunft und was passiert danach erkundigen. Es ist eine Veränderung zu spüren.

re-cover: Wir leben in einer To-Go-Gesellschaft. Jeder will Alles sofort, günstig und am liebsten zum Mitnehmen. Entschleunigung tut not. Und wird sich durchsetzen. Hoffnung gibt, dass Print nicht totzukriegen sein wird, dass Menschen wieder regional einkaufen, gemeinsam kochen und spielen und dass es keine Möglichkeit gibt, Haptik online darzustellen.

Und im speziellen Bezug auf Frankfurt?

Hoffnung gibt mir, das tolle Kreativ- und Nachhaltigkeits-Netzwerk hier in Frankfurt. Man versucht an einem Strang zu ziehen, sich gegenseitig zu unterstützen und neue Projekte zu verwirklichen. Ich glaube, das ist wirklich etwas Besonderes und in einer Großstadt normalerweise eher selten anzutreffen.

Fraktali: Immer mehr Personenkreise in den verschiedenen Altersgruppen fangen an sich mit dem Thema Upcycling auseinander zu setzen. Das geht bei Bastelangeboten in Kitas los über Projektwochen an Schulen bis zu Workshops bei Erwachsenen bis ins Rentenalter.  Es werden in den verschiedenen Projekten mit den eigenen Händen alte Gegenstände unter Anleitung umfunktioniert. Das gibt Anstöße selbst etwas zu erschaffen und über unsere Wegwerfgesellschaft nachzudenken.

re-cover: Wir haben endlich ein Repair-Café. Der Trend geht Richtung Erhaltung, Reparatur und Recycling.
Es wimmelt an Flohmärkten und Tauschbörsen. Alles Zeichen, dass wir eigentlich von allem schon
genügend haben.