Interview mit Pia Damm, Mitgründerin von Living Utopia

living utopia ist die Idee von jungen, visionären und motivierten Menschen, welche aus verschiedenen Bereichen einen ganzheitlichen Diskurs – auf theoretischer, aber vor allem auf praktischer Ebene – anregen möchten.

Könnt ihr uns kurz beschreiben was living utopia ist und welches Konzept ihr verfolgt?

living utopia ist ein Projekt- und Aktionsnetzwerk. Wir gestalten Mitmachräume für gesellschaftspolitischen Wandel.
Durch unsere Projekte und Aktionen möchten wir vor allem Impulse zum Hinterfragen, Neudenken und Anders-Leben geben.
Die begleitenden Motive, nach denen die Organisation und Umsetzung stattfinden, sind geldfrei, ökologisch, vegan und solidarisch, um auf ganzheitlicher Ebene die Möglichkeit der Reflexion des Gewohnten zu schaffen.
In Planungsteams werden dezentral Projekte wie der Mitmachkongress utopival, der Utopie-Aktionstag, die UTOPIKON sowie Workshops und Vorträge organisiert.
Durch die geldfreie Organisation möchten wir die Idee eines anderes Wirtschaftens – fern von Verwertungs- und Tauschlogik sowie Selbstoptimierungsdruck – ansatzweise umsetzen.

Seit wann gibt es das Projekt und wie hat sich seitdem entwickelt, bzw. was stellt ihr euch für die Zukunft vor?

living utopia gibt es seit September 2013. Wir reisten fu?r einige Monate geldfrei durch Teile Europas, um zu zeigen, dass Solidarität in den Herzen vieler Menschen steckt. Zuru?ckgekehrt in Deutschland konnten wir unsere gesammelten Erfahrungen in unseren Projekten umsetzen. Beispielsweise veranstalteten wir noch um die Jahreswende das alternative Winterzusammenkommen (alwizuko).
Seit dem haben viele Planungsteams Mitmachräume erschaffen – sei es in Form von Projekten, Aktionen oder Internetkampagnen.

Fu?r die Zukunft stellen wir uns vor, eine sozial-ökologische Gemeinschaft zu verwirklichen, um damit Ansätze einer solidarischen und zukunftsfähigen Gesellschaft zu gelebter Praxis werden zu lassen. Wir möchten einen Ort schaffen, dessen ökologischer Fußabdruck unter einer Erde bleibt.
Viele Ideen schweben dafür in unseren Köpfen rum…
Möglichst geldfrei soll die Gemeinschaft sein, Menschen gehen ihren Talenten nach und tragen aus intrinsischer Motivation bei. Es soll unter anderem ein freies Bildungszentrum zur (eigenen) Weiterbildung und Projektentwicklung sowie einen bio-veganen Garten geben.
Eine riesige Frage, die uns bewegt und auch dort ihren Platz finden soll, ist wie wir Aktivismus und inneren Wandel zusammen denken können.
Um unsere Zukunftsvision verwirklichen zu können, fehlt uns „nur“ noch der Ort! 🙂

Was ist eure ganz persönliche Utopie?

Das Besondere an der Utopie ist ja, dass sie sich immer weiterentwickelt und dynamisch verändert – bisher ist vieles vermutlich noch gar nicht denkbar. Doch: Nur, weil etwas undenkbar ist, ist es noch lange nicht unmöglich, es ist bisher nur noch nicht gedacht worden.
So fällt es leichter das zu nennen, was ich mir in einer Welt von Morgen nicht vorstelle. Gleichzeitig habe ich natürlich die ein oder andere Idee, wie sie aussehen könnte. Das auszuführen, würde etwas dauern. Daher zur Imagination kurze Stichpunkte: solidarisch, leidfrei, keine Ausbeutung, diskriminierungsfrei, Strohballenhäuser, Komposttoiletten, inztrinsische Motivation, bio-veganes Gemüse, Wildkräuter, teilen und beitragen statt tauschen, Besitz statt Eigentum, Sein statt Haben, Authentizität, Mitwelt-Bewusstsein, …

Ein Prozess, der nicht von Heute auf Morgen umgesetzt ist. Schritt für Schritt können wir uns der Utopie nähern und zusehen, wie sie sich wandelt.
Denn, die Utopie, „sie ist am Horizont“, sagt Fernando Birri. “Ich mache zwei Schritte auf sie zu, sie entfernt sich zwei Schritte. Ich gehe zehn Schritte, und sie entfernt sich zehn weitere Schritte. Und wenn ich noch so weit gehe, ich werde sie nie erreichen. Wozu ist sie also da, die Utopie? Dazu: damit wir gehen.“
Wir möchten uns auf den Weg dorthin machen, den Prozess anregen und einladen, mitzukommen. Und dabei: Not just talking about utopia, but: living utopia! 😉

http://www.livingutopia.org/