Interview mit Ralf Lokay, Inhaber der Umweltdruckerei Lokay

Reflecta stellt vor. Diesmal die Umweltdruckerei Lokay aus Reinheim und ihren Inhaber Ralf Lokay

Stellen Sie uns doch kurz Ihre Firma vor. Was steckt hinter Lokay?

Als ich die Firma 1993 von meiner Familie kaufte, führte ich zuerst die 1932 gegründete Druckerei fort. Seit dem Jahr 2004 haben wir uns dem nachhaltigen Drucken, das heißt dem umweltfreundlichem und ressourcenschonendem Drucken verschrieben. Der Gedanke dahinter ist ganz einfach: wir möchten unser Geschäft nicht auf Kosten zukünftiger Generationen betreiben. Aus diesem Grund verwenden wir zu einem Großteil Recycling- und FSC-Papiere. Die Druckmaschinen laufen mit ökologischen Farben und Drücken ohne den Klimakiller IPA (Isopropylalkohol). Dennoch arbeiten in Deutschland auch heute noch weniger als 5 Prozent der Druckereien ohne Alkohol. Durch die Einführung des EMAS-Umweltmanagements im Jahr 2007 garantieren wir unseren anspruchsvollen Kunden nachhaltige Ergebnisse. Durch das jährliche Audit und die Veröffentlichung der Umwelterklärung schaffen wir Transparenz in unserem Handeln. Das ist eine Teamleistung aller 28 Mitarbeiter. Bei uns wird Nachhaltigkeit gelebt – und das meine ich so wie ich es sage. Mit den letzten Investitionen in Höhe von 1,5 Mio. € in unseren Standort sowie die für September 2015 geplante Anschaffung eine der nachhaltigsten Druckmaschinen der Welt, stützen wir unsere Anstrengungen auch mit entsprechenden Ausgaben.

Durch unsere Umweltdruckberater unterstützen wir viele Unternehmen, Stiftungen, Verbände sowie kirchliche Organisationen bei der Produktion und Logistik Ihrer Printprodukte: von der Visitenkarte bis zur Broschüre oder anspruchsvollen Mailingkampagne. Mit unserem ökologischen Onlineshop bieten wir in Kürze über 2.000.000 verschiedene ökologische Printprodukte online an (Shopstart 10/2015). Bei uns wird Nachhaltigkeit beim Drucken einfach umsetzbar!

Wie kamen Sie auf die Idee?

Unsere Tochter war ein Frühchen und wog weniger als 2.000 Gramm. Da haben meine Frau und ich direkt entschieden, die Ernährung auf gesunde und hochwertige BIO-Lebensmittel umzustellen. Für unsere Tochter war dies vielleicht die Grundlage für ihre schnelle und gute Entwicklung. Durch das regelmäßige Einkaufen im Bio-Markt habe ich schnell den großen ökologischen Optimierungsbedarf selbst bei den BIO-Marken gesehen. Seit 2004 habe ich das Unternehmen gemeinsam mit meinem Prokuristen Thomas Fleckenstein konsequent auf ökologische Produktion umgestellt. Seitdem hat sich auch das Unternehmen positiv entwickelt. Viele Bio-Marken aus ganz Deutschland lassen bei uns in Reinheim produzieren.

Was waren die Startschwierigkeiten und wie sind Sie damit umgegangen?

Unsere Mitarbeiter waren echt etwas skeptisch, konnten aber schnell erkennen, wie sinnvoll und wichtig dies für unsere Kunden, aber auch für unser Unternehmen ist. Heute stehen alle voll dahinter. Die meisten Druckereien haben uns eher belächelt und sich lustig gemacht: „Sonst habt ihr keine Probleme? Für was ist das gut? Zahlt Euch der Kunde das überhaupt?“ Viele dieser Firmen gibt es heute gar nicht mehr. Wir haben uns davon aber nicht beirren lassen und haben unseren Weg immer konsequent weiterverfolgt.

Wie sehen Sie die aktuelle gesellschaftliche Situation? Was läuft schief, was gibt Hoffnung?

Das Thema Nachhaltigkeit ist nun in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Heute gehört es zum guten Ton und das Bild des Birkenstock-Ökos gehört der Vergangenheit an. Die Grundrichtung stimmt, ein wichtiger Hebel fehlt jedoch noch: die Umwelt muss einen Preis bekommen. Wenn die Unternehmen, die die Umwelt ausbeuten dafür einen höheren Preis zahlen müssen, während die nachhaltigen Unternehmen aller Branchen einen Vorteil erzielen, wird sich die Nachhaltigkeit explosionsartig vermehren. Durch unser Handeln konnten wir 2004 unseren CO2- Ausstoß um über 80 Prozent und den Wasserverbrauch um über 40 Prozent reduzieren – das ist doch zur Nachahmung empfohlen. Wann und über welche „Währung“ sich der Preis der Umwelt abbildet werde ich hoffentlich noch erleben…