Interview mit Tatjana Hartmann von Outdoor Gym

Reflecta stellt vor. Diesmal Tatjana Hartmann, die ein "Fitnessstudio in der Natur" betreibt: Outdoorgym Foto: Lara Burr-Evans

Stell uns doch kurz Dein Projekt vor. Was ist Outdoor Gym?

Outdoor Gym ist ganz kurz gesagt ein Fitnessstudio in der Natur. Das heißt, wir trainieren unsere Mitglieder ausschließlich im Freien an der frischen Luft.

Unser Trainingsschwerpunkt liegt auf funktionellem Zirkeltraining. Neben klassischen Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, bedienen wir uns auch an Tools wie z.B. Schlingentrainern die man an Bäumen befestigen kann, Seilen, Medizinbällen usw.

Das Zirkeltraining ist jedoch nur die Spitze einer ganzheitlichen Gesundheits- und Fitnessphilosophie. So bieten wir auch Ernährungscoachings zum Thema „natürliche Ernährung“ an, in der wir den Mitgliedern die gesundheitlichen und auch nachhaltigen Vorteile von natürlicher, regionaler und saisonaler Ernährung vermitteln.
Außerdem bieten wir auch betreute Projekte für übergewichtige Menschen an, die abnehmen möchten oder sogar müssen.

Wie kamst Du auf die Idee?

Ich versuche nach dem Motto „tue was du liebst“ zu leben… Nach einem 8 stündigen Bürojob ist es für mich keine Frage, den Feierabend im Freien zu verbringen und mich zu bewegen, nachdem ich den ganzen Tag gesessen habe. Gleichzeitig stehe ich ganz hinter den Ansätzen des funktionellen Fitnesstrainings, bei dem man seinen Körper, so trainiert wie man ihn auch im Alltag einsetzt. Also ganzheitlich und nicht einzelne Muskelgruppen isoliert.
Und beides kombiniert ergibt für mich das beste Fitnessstudio der Welt.
Die Idee von Outdoor Gym an sich, hatte vor fast 5 Jahren Felix Klemme, Inhaber der Outdoor Gym Zentrale in Bonn.

Was waren die Startschwierigkeiten und wie bist Du damit umgegangen?

Wir (mein Partner und ich) haben im April 2014 mit der Eröffnung einer Outdoor Gym Filiale in Wiesbaden gestartet und mussten natürlich erst einmal bekannt werden und Mitglieder gewinnen. So haben wir zu Beginn auch mal Personaltrainings statt Gruppentrainings geleitet, weil es einfach noch nicht so viele Teilnehmer gab.

Das hat uns aber nicht frustriert, weil ja immer wieder Interessierte hinzugekommen sind und unser Mitgliederstamm stetig gewachsen ist. Und jeder der den ersten Schritt in ein kostenloses Probetraining gewagt hat, hat den Kurs mit einem breiten Grinsen auf dem verschwitzten Gesicht verlassen. Kaum jemand, hat es bei einem Probetraining belassen. Und das hat uns viel Energie die wir in den Aufbau gesteckt haben zurückgegeben und gezeigt, dass das was wir tun eine ziemlich tolle Sache ist.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Dich?

Für mich ganz persönlich gilt folgendes Zitat von Louis Armstrong als Nachhaltig: „Tue nie etwas halb, sonst verlierst du mehr als du jemals wieder einholen kannst.“

Im Alltag bedeutet Nachhaltigkeit für mich auch Ganzheitlichkeit. Also über den Tellerrand hinaus blicken und so leben, dass es mir und meinem Umfeld möglichst wenig schadet.
Das fängt schon beim Einkauf an: Warum die Bio-Ananas aus Übersee kaufen, wenn Erdbeeren gerade in Deutschland Saison haben? Und wozu das Abwasser beim Badputz mit Chemiekeulen verseuchen, wenn´s Putzwasser mit Essig genauso tut?

Wie siehst Du die aktuelle gesellschaftliche Situation? Was läuft schief, was gibt Hoffnung?

In Bezug auf die Gesundheit unserer Generation sehe ich eine große Ohnmacht in der Bevölkerung. Zu viele Menschen vertrauen ausschließlich auf die „Behebung“ von Beschwerden und Krankheiten wenn Symptome wie z.B. Schmerzen, Antriebslosigkeit und viele weitere Beschwerden vorhanden sind. Und wenn´s dann ein Wehwehchen gibt, gibt’s ja ein passendes Medikament, das die Symptome stoppt. Nach der Ursache schaut der Einzelne meiner Meinung nach viel zu wenig. Jeder sollte für sich und sein eigenes Wohl achtsamer sein und  Ursachenforschung betreiben. Ggfs. ist der Auslöser von Beschwerden im Alltag zu finden und  durch kleine Veränderungen in Verhaltensweisen zu beheben.
Viele unserer Mitglieder berichten uns z.B., dass sie seitdem sie regelmäßig Sport machen, keine Rückenbeschwerden mehr haben. Es kann aber auch sein, dass z.B. regelmäßige Kopfschmerzen durch krummes Sitzen am Arbeitsplatz verursacht werden.

Ich würde mir wünschen, dass die Leute weniger jammern und mehr verändern! In meinem Umfeld ist ein Trend in Richtung Eigenverantwortung und Achtsamkeit zu erkennen und ich hoffe, dass die nächsten Generationen ihr Glück und ihre Gesundheit durch mehr Selbstbestimmung finden.

Was ist Dein Lieblingsort? Hast Du einen Geheimtipp?

Eine Fahrradtour in den Rheingau nach Mittelheim zum Bio-Laden/Cafe/Restaurant/Weinlokal „Cornels“
Erst kürzlich entdeckt und seither mein Lieblingsort zum Essen und Ausklingenlassen des Wochenendes beim Grill-BBQ mit Bio-Fleisch und regionalem Gemüse.
Frühstück in der Domäne Mechthildshausen.