Interview mit Marlene Haas

Marlene Haas hat Labl, Lust auf besser Leben Frankfurt gegründet.

Im Gespräch mit… Marlene Haas

Stell uns doch kurz Dein Projekt vor. Was ist LABL.Frankfurt?

Labl ist eine lokale Gemeinschaft aus engagierten Akteuren, die einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten (möchten). Es wurde vom gemeinnützigen Kompetenzzentrum  „Lust auf besser leben“ als Pilotprojekt gegründet.
Unsere Gemeinschaft lebt von der Vielfalt ihrer Teilnehmer. Interessierten bieten wir offline über die von uns zertifizierten Nachhaltigkeitsbotschafter und Bildungsveranstaltungen die Chance, mit ihrem Handeln etwas zu bewegen. Des Weiteren fungiert die Labl.FRANKFURT-App als Nachhaltigkeitswegweiser.
Kurzum: Labl ist eine Gemeinschaft für mehr Lebensqualität und Nachhaltigkeit, in der jeder von uns zum Gestalter unserer Welt wird.

Wie kamst Du auf die Idee?

2013 habe ich als Einzelunternehmerin für den Heldenmarkt in Frankfurt die lokale Ausstellerakquise betreut. Dabei sind mir viele nachhaltige Betrieben begegnet, die sich untereinander noch nicht kannten und, die mir noch nicht bekannt waren. Das wollte und will ich ändern.

Was waren die Startschwierigkeiten und wie bist Du damit umgegangen?

Finanzierungsprobleme. Damit haben wir immer noch zu schaffen. Wir wollen nicht die marktwirtschaftlichen Mechanismen einsetzen, sind aber auch kein typisches Spenden- oder Förderprojekt. Das macht die Finanzierung schwer, da sie momentan nur über Einnahmen aus dem Nachhaltigkeitsbotschafterprogramm gesichert ist. Aber wir stehen hinter unseren vordefinierten Werten und machen weiter.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Dich?

Mittlerweile bedeutet es für mich die Schaffung selbstbewusster, vertrauensvoller Strukturen, in einer Stadt oder in der Weltbevölkerung, in der jedem Menschen seine Gestaltungsfertigkeiten bewusst sind und zu verantwortungsvollem Handeln führen.

Was ist Dein Lieblingsort in Frankfurt? Hast Du einen Geheimtipp?

Zwischen der alten und neuen Osthafenbrücke (Honsellbrücke) geht es vom Ostend kommend am Kreisel die Franziusstraße links runter. Wenn Ihr dann direkt links auf das Fabrikgelände einbiegt und unter der Brücke durchfahrt, kommst Ihr an die Spitze einer kleinen Insel – die Aussicht ist grandios!

Wie siehst Du die aktuelle gesellschaftliche Situation? Was läuft schief, was gibt Hoffnung?

Einerseits läuft gefühlt ziemlich viel schief. Ich frage mich zunehmend, was passieren sollte, um die Evolution des Menschen zu einem gemeinwohlorientierten Wesen anzutriggern.
Andererseits gibt es viele Initiativen, Unternehmen und Politiker, die gemeinwohlorientiert handeln. Die zentralen Fragen sind für mich: wollen wir unseren Arsch retten, den der kommenden Generationen und den der Menschen generell oder den Lauf der Ereignisse akzeptieren?

Und im speziellen Bezug auf Frankfurt?

Hier gibt es gerade einen Wandel hin zu einem Bewusstsein dafür, dass wir uns alle brauchen, um eine nachhaltige Entwicklung zu gestalten. Auch wenn der Prozess nur stockend in Gang kommt, bleibe ich optimistisch, dass sich immer mehr Menschen in die bestehenden Strukturen einmischen.