Matthias Simon, Geschäftsführer von Print-Pool.com

Reflecta stellt vor: Diesmal Print-Pool, eine nachhaltige Druckerei. Wir waren vor Ort und haben uns alles angeschaut. Nun berichtet der Geschäftsführer selbst.

Was ist „Print Pool“?

Print Pool ist eine Agentur für nachhaltige Medienproduktion, spezialisiert auf das umweltfreundliche, ökologische, klimaneutrale Drucken aller Arten von Druckerzeugnissen, zum Beispiel Briefpapiere, Folder, Broschüren oder Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichte. Dabei verwenden wir nur mineralölfreie Biodruckfarben und ressourcenschonende Materialien vom Recyclingpapier bis zum zertifizierten Bilderdruckpapier aus verantwortungsvollen Quellen und versenden sie klimaneutral. Wir begleiten unsere Kunden von der Strategie bis zur Umsetzung, vom ersten Layout- Scribble bis zum FSC-Siegel.

Wie entstand die Idee?

Entstanden ist die Idee 1996 mit dem Zusammenlegen von Druckaufträgen, um die Einrichtungskosten der Maschinen aufzuteilen und Drucksachen günstiger zu produzieren. 2004 kamen die ersten Papiere auf Basis der Eukalyptusfaser auf den Markt: Ein schnell nachwachsender Rohstoff. Kaum hatten wir die Information ins Netz gestellt, kamen die ersten Anfragen aus dem Ausland und dann war ganz schnell klar, welchen Weg wir gehen werden; die ökologische Produktion war geboren und wurde ab 2005 konsequent umgesetzt. Seit 2006 dürfen wir das Zertifikat des Blauen Engel vom RAL Güteinstitut und nach der ersten Zertifizierung in 2007 auch das Siegel des FSC (Forest Stewardship Council) für unsere Produkte verwenden.

Was waren die Startschwierigkeiten, mit welchen Problemen wurden Sie konfrontiert? Wie wurden Sie gelöst?

Die Schwierigkeit war und ist die eindeutige Differenzierung zur konventionellen Druckerei. Anfangs hatten wir den Begriff „Öko-Druckerei“ in der Subline, das aber wurde sehr schnell wieder verworfen, weil alle dachten, wir fahren VW Bus und laufen mit lila Latzhosen im Geschäft rum oder fragten, ob man die Visitenkarten jetzt essen kann. Das war schon lustig … 2009 begannen wir gemeinsam mit unserer Agentur das Erscheinungsbild von Print Pool zu überarbeiten. 2011 wurde das neue CI in einem perfekten Relaunch umgesetzt. Das Vorurteil „Recyclingpapier ist doch grau und Biodruckfarben sehen furchtbar aus“ hält sich bis heute. Wir sehen die größte Aufgabe in der ökologischen Aufklärung. Ressourcen zu schonen ist ein aktuelles Thema unserer Zeit. Vielen Verbrauchern ist nicht bewusst, dass ihre Imagebroschüre, der Briefbogen oder die Visitenkarte bis vor kurzem noch ein Baum war und für konventionelle Druckfarben auch Erdöl verbraucht wird. Aus diesem Grund haben wir ein aufwendiges Papiermusterbuch aufgelegt, das kostenlos unter http://www.print-pool.com/de/bestellung/produktkonfiguration?fp_id=EP_Musterbuch bestellt werden kann. 27 umweltfreundliche Papiere und 50 Druckflächen aus der mineralölfreien Bioskala in 10%-Stufen sind im Musterbuch integriert worden, um das Farbverhalten auf unterschiedlichen Oberflächen zu visualisieren.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie?

Der Begriff „nachhaltig“ stammt aus der Forstwirtschaft und wurde schon vor 300 Jahren durch Hans Carl von Carlowitz etabliert und hat nichts an Aktualität verloren. Wir produzieren keine unnötige hohen Auflagen, sondern nur das, was benötigt wird. So schonen wir nachhaltig Klima und Ressourcen. Nachhaltigkeit bedeutet auch, zu wissen woher unsere Rohstoffe kommen, unter welchen Umständen unsere Papiere produziert worden sind und ob eine Wiederaufforstung stattfindet.

Wie sehen Sie die gesellschaftliche Situation? Was muss sich ändern? Was läuft gut?

Das ökologische Bewusstsein hat sich in den letzten Jahren nach und nach geändert. Die Kunden fragen nach der Herkunft des Materials und lassen sich im Hinblick auf den Einsatz von Recycling- oder FSC-zertifiziertem Papier von uns beraten. Viele Unternehmer, die selbst umweltfreundliche Produkte herstellen oder vertreiben, achten auf „saubere“ und nachhaltige Aspekte in der Auftragsvergabe. Aber wir haben es mit einer „unsichtbaren Ressource“ zu tun. Das heißt: Papier ist bei der Verarbeitung kein Baum mehr und es gibt fast keine Unterschiede zu konventionellen Drucksachen.Der auffälligste Unterschied ist mitunter der Lösemittelgeruch von billigen Drucken. Bio-Lebensmittel dagegen schmecken besser und sind gesünder. Die dürfen auch mehr kosten. Bei Drucksachen ist das durch die Industriealisierung der letzten Jahre leider genau umgekehrt gelaufen: Konventionell erzeugte Drucksachen sind immer günstiger geworden – viele Kunden sind (noch) nicht bereit, Mehrkosten für ökologisch produzierte Drucksachen zu akzeptieren – andere Kunden wissen gar nicht, dass es möglich ist, ihre Drucksachen umweltschonend und nachhaltig herstellen zu lassen. Wir setzen auf die ökonomisch attraktive Umsetzung ökologischer Printprodukte: Ein attraktives Preis-Leistungsverhältnis und die persönliche Beratung – ein Service der online nicht möglich ist und Flexibilität in der Produktion: Freitags Daten zur Aufbereitung … Dienstags sollen die Broschüren in Barcelona auf der Messe ausgeliefert werden! Das machen wir möglich. Das sind unsere Stärken, daran glauben wir – für uns und unsere Umwelt. http://www.print-pool.com

Das Interview führte Daniela Mahr für Reflecta

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